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Das Laster mit dem Raster
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- Erstellt am Samstag, 23. Januar 2010 18:30
Gespeist aus verschiedenen Erfahrungen hier in Brasilien und angeregt von einem Blog Beitrag von Hannelore Vonier mache ich mir meine Gedanken zum Thema Zeit und Zeitpunkt.
Wir „Zivilisierten“ zwängen uns in ein künstlich vorgesetztes Zeitschema. Ein Jahr, 12 Monate, 365 Tage (meistens), der Tag hat 24 Stunden, die Stunde ... bla bla bla.
Das Leben der aller meisten Menschen ist an diesem Raster ausgerichtet, außer, man rastet aus oder wird verrückt, dann kann man auch verrückt leben. Jetzt geht es aber sehr oft im Leben darum, zu einem vereinbarten Zeitpunkt etwas zu unternehmen, sich zu treffen, zu telefonieren oder ein Geschäft zu tätigen.Da können wir nun mal gar nicht aus unserem Raster raus, weil wir ja anschließend und zuvor auch schon verschiedenen Zeitpunkte in unserem Raster abgelegt haben.
Wer kennt es nicht, dass man was ausgemacht hat, und es einem kurz davor so ganz und gar nicht in den Kram passen will. Uns ist nicht danach, wir sind mit was ganz anderem beschäftigt, oder einfach nicht in Stimmung. Entweder wir zwingen uns dann und halten den „Termin“ ein, oder machen uns zum „Unzuverlässigen“, einen, auf den man nicht zählen kann. Oder wir lügen uns eine Ausrede zusammen. Im schlimmsten Falle lassen wir uns etwas zustoßen, was ja wirklich die dümmste Idee ist. Doch wer kennt es nicht? So handeln wir aus diesen kaum zu durchbrechenden Rastern heraus.
In unserer (schamanischen) Arbeit reden wir ja oft von der „schamanischen Zeit“. Wenn wir sagen in einer Stunde schamanische Zeit, dann wird es oft später, aber nicht immer. Schamanische Zeitpunkte sind zwar an der gängigen Zeit angelehnt, sie sind aber nicht zwingend an genau dem rechnerischen Zeitpunkt, sonder an einem gefühlten Zeitpunkt. Dann, wenn es eben stimmt und mit dem restlichen Leben und all den anderen Begebenheiten harmoniert. Wie soll denn das funktionieren?????
Bei uns nicht möglich, außer unter Verrückten ;-)
Das andere Zeitprinzip basiert meines Erachtens auf Verbindung: Zu sich und seinem Lebensplan; zur Umwelt; zur Natur; zu den Menschen; ... So ist es zB. auch möglich, dass sich weit auseinander lebende Stämme (ohne Uhr) zu bestimmten Zeiten irgendwo treffen, um Zeremonien abzuhalten oder gemeinsam auf Jagd zu gehen. Sie sind verbunden.
Hier in Brasilien ist davon noch was übrig geblieben. Nun versucht dieses Land ja bekanntlich den Anschluss an die westliche Welt zu knüpfen und ist als Schwellenland teilweise schon ziemlich „zivilisiert“. So gibt es hier zwar auch noch die „brasilianische Stunde“, ähnlich der Schamnischen, doch ticken die Uhren gleichzeitig sehr laut. Mich hat das anfangs sehr genervt und ich konnte es nicht verstehen.
Unsere Schamanin vor Ort, Alba Maria, sagt hierzu nur: atmen. So atme ich, das entspannt und beruhigt.